MATE - in einfacher Linuxdesktop

Wer kennt es nicht. Über Wochen, wenn nicht gar über Monate, läuft alles wie am Schnürchen. Dann aber passiert etwas, was man gar nicht greifen kann und alles/vieles verändert sich. Oftmals zum Schlechten, aber in Teilen, durch neue Erfahrungen, auch zum Besseren. So erging es mir auch vor einigen Tagen, indem von jetzt auf gleich meine Powerlans, die ich im Arbeitszimmer wegen schlechtem WLAN-Empfang nutze, ausfielen und sich auch nicht dazu bewegen ließen/lassen ihren normalen Betrieb wieder aufzunehmen. Ich habe von meiner Testserie in dieser Sache bereits berichtet.

Wenn man das eine Problem angeht, tauchen dabei auch oftmals andere Themen auf. Die können sich ebenfalls als Probleme outen, aber auch zu neuen Erkenntnissen führen. So erging es mir dann im Gesamtkomplex mit meinem Testnotebook. Dieses Notebook ist schon älter und ich nutze es tatsächlich zu Testzwecken. Auf diesem Notebook war eine Debian-Jessie-Installation mit separatem HOME-Verzeichnis vorhanden. Bei der Installation hatte ich einfach die Vorgaben übernommen. Letztlich stellte sich heraus, dass das HOME-Verzeichnis recht groß, aber die Partition für Linux selber mit knapp 9 GB recht klein war. Und prompt war nach einige weiteren Programminstallationen und Updates die Linux-Partition randvoll. Smilie

Der erste Gedanke war, dass ich schlicht und ergreifend die HOME-Partition verkleinere und die Linux-Partition vergrößere. Gesagt, getan, leider gefehlt. Wie ich es auch drehte und wendete, es war mir nicht möglich, auch nicht mit einer Live-CD von Gparted auch nur irgendetwas an den Partitionsgrößen zu ändern. Naja, es wäre zu Übungszwecken schön gewesen, aber es sollte so nicht sein.

Also entschied ich mich, dass ich die Debian-Jessie neu aufsetze. Das Notebook lief ja eigentlich sehr gut damit und warum sollte ich darauf verzichten, um weitere Tests zu machen, da ich eh auf dem Arbeitsnotebook mit Jessie unterwegs bin. Der Installationsvorgang war entsprechend easy und ich entschied mit aus reiner Gewohnheit wieder für KDE als grafische Oberfläche. Nach der Installation des Betriebssystem installierte ich noch ein paar andere Programme, mit denen ich standardmäßig arbeitete und auch Google Chrome sollte nicht fehlen.

Es hat für mich den Anschein, dass jede Linux-Installation, auch wenn sie auf dem gleichen Computer erfolgt und unter gleichen Voraussetzungen vorgenommen wird, immer wieder unterschiedlich verläuft und andere Endergebnisse hat. Das nervt gewaltig, bringt mich aber nicht zu Windows zurück - mal nebenher bemerkt. Da ich das so schreibe, muss was passiert sein.

Zunächst ging ich über den vorinstallierten Browser Firefox ins Internet. Doch was war das? Die Seiten wurden nicht richtig dargestellt, CSS-Layouts schienen durcheinander zu geraten. Komisch. Erst wieder raus aus Firefox und Chrome gestartet. Hier war augenscheinlich zunächst alles gut. Doch nach einer gewissen Zeit zuckte es auf dem Bildschirm und es war nur noch der Rumpf der aufgerufenen Internetseite zu sehen. Alles andere, und damit meine ich tatsächlich alles andere, war weg und kam auch nicht wieder. Alles andere war: Kopf und Fuß des Browsers (Menü, Statuszeile, Symbolleiste) sowie wie die beiden Leisten im KDE-Bildschirm (Kontrollleiste und Fensterleiste) waren weg.

Unter normalen Umständen hätte ich mich auf die Suche begeben, um dass Problem zu analysieren und eine Lösung zu finden. Die vorherige Installation lief über Wochen problemlos. Was war jetzt anders? Egal, da ich immer noch mit dem Thema der Powerlans und meinem bevorstehenden Umzug vom Arbeitszimmer ins Wohnzimmer beschäftigt bin, wollte ich keine weitere Großbaustelle auftun. Ich ging ein wenig in mich und überlegte, welche Alternative zum grafisch sehr aufwendigen KDE-Desktop vorhanden ist. Ich vermutete nämlich ein Problem mit der Grafikkarte des betagten Notebooks.

Da ich mit Gnome 3 nicht klar komme, wir sind absolut keine Freunde, wollte ich mir eine neuerliche Installation dieser grafischen Umgebung nicht antun. Etwas wehmütig dachte ich an die Zeit als ich von Windows auf Linux umgestiegen war und mit Gnome 2.x im Grunde genommen äußerst zufrieden war. Sehr einfach gehalten, wenig Schnickschnack, den ich überhaupt nicht brauche, aber eben zum Arbeiten hervorragend geeigent. Als Gnome 2.x nicht mehr gewartet wurde, und Gnome 3 sich für mich sperrte, hatte ich mich für KDE entschieden. Es war ein langer Weg bis zur Freundschaft, aber er wurde geschafft, und sie hält unter Normalumständen bis heute.

Tja, Gnome 2.x, da war doch was. Das Projekt war nicht tot, nein, es lebte weiter. Daran erinnerte ich mich und schon war ich auf der Linux-Bibel-Online und fühlte mich bestätigt. Gnome 2.x heißt jetzt Mate. Smilie

Mate zeichnet sich dadurch aus, dass diese grafische Oberfläche sehr einfach gehalten ist und daher nicht viele Ressourcen benötigt. Auf älteren, eher schwach ausgestatteten Computern, läuft Mate nach den Beschreibungen gut und flüssig. Das musste ich ausprobieren.

Schnell wurde über die Konsole der entsprechende Befehlt abgesetzt:

user@rechner# apt-get install mate-desktop-environment

Hier bestätigte sich schon in der Anzeige der herunterzuladenden Größe an Dateien, dass Mate tatsächlich nicht aufwendig sein konnte. Die Gesamtdownloadgröße lag bei knapp 408 MB und die nachfolgende Installation war dann in wenigen Sekunden erledigt. Wer Gnome 3 oder KDE nachinstalliert, der hat mehr als das Doppelte nach Gesamtgröße und die Installation dauerte einige Zeit.

Sehr gespannt, wie sich Mate wohl zeigen und verhalten würde, meldete ich mich neu an (Sysemneustart ist nicht nötig). Indem sich der Desktop dann auftat machte ich eine Zeitreise in die Vergangenheit und fühlte mich sofort wieder zu Hause. Mein altes Gnome 2.x!

Länger, als ich es zu später Stunde eigentlich wollte, befasste ich mich noch mit der Oberfläche, arrangierte sie für meine Zwecke, installierte noch ein paar andere Programme. Einzig ein Networkmanager wird irgendwie nicht standardmäßig zur Verfügung gestellt. Auch hier war schnell eine Lösung gefunden. Dieser ist dann wie folgt nachzuinstallieren:

user@rechner# apt-get install network-manager-gnome

Kurze Zeit später war im Systemabschnitt nach einer Neuanmeldung (kein Systemneustart) der Networkmanager sichtbar und ich konnte zwischen LAN und WLAN wechseln.

Von Mate bin ich schlichtweg begeistert. Eben wegen dieser Einfachheit werde ich mir diesen Linux-Desktop zumindest als Option auf meinem Arbeitsnotebook installieren und herausfinden, ob ich mich ggfs. über kurz oder lang von KDE verabschieden könnte. KDE ist gut, aber zeitweilig werden da Änderungen und Neuerungen gebracht, die mich als gemeiner User einfach nur nerven. Angeblich soll mit der nächsten Version von KDE vieles wieder besser werden, aber ich glaube daran eher nicht. Mit Mate habe ich eine scheinbar gut funktionierende Alternatvie und ich werde das Projekt unterstützen. Smilie


Der Blogartikel (247) wurde in der Kategorie Linux erstellt am: 2016-12-10 10:33:31




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