Wie ich zu Schlangen kam

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Im Sommer 2008 war ich mal wieder mit dem Rad in Ostfriesland unterwegs. Während meiner langen Touren kam ich immer wieder an Sielen und Teichen vorbei. Natürlich sah ich Angler, die sich mühten ein paar Fische aus dem Wasser zu ziehen. So kam ich ins Grübeln, wann ich denn zum letzten Mal mein Jagdglück mit der Angel versucht hatte. Mein letztes Mal, und das als kompletter Schwarzangler, war im Jahre 1983. Damals hatte ich noch meinen ersten Wagen, daher kann ich den Zeitpunkt recht gut bestimmen. Am Baggerloch in Reeserward zog ich ein paar Kaulbarsche aus dem Wasser, aber das war es dann auch schon. Somit hatte ich seit mehr als 25 Jahre nicht mehr geangelt, wobei die Zeit davor auch ohne Angelei war. Auf meiner Buhne an der Reeser Rheinbrücke war ich zuletzt in der Hauptschulzeit - und die war dann auch 28 Jahre vorbei.

Thamnophis radix

Nach meiner Rückkehr nach Hause bin ich in den örtlichen Angelladen gegangen und habe mich mit neuen Angelgeräten ausgestattet. Das alte Equipment hielt der Begutachtung des Verkäufers nicht stand. Es war einfach zu morsch. Mit den neuen Geräten machte ich mich zu Hause vertraut und verbrachte den nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe am Rhein auf meiner Buhne. Diese hatte sich durch Baumaßnahmen verändert, aber als ich dann endlich dort saß und den beköderten Haken ins Wasser geworfen hatte, konnte ich kaum glauben, dass ich fast 3 Jahrzehnte nicht mehr dort gesessen hatte.

Den ganzen Sommer über habe ich meiner wiederentdeckten Freude am Angeln gefrönt. Am Rhein, aber auch an einem Altrheinarm in Grietherbusch. Meine Fangresultate waren gut im Gegensatz zu meinen wenigen Erfolgen in der Vergangenheit. Direkt am ersten Tag war mir ein kleiner Zander an den Haken gegangen und wenig später hatte ich eine riesige Barbe dran, die ich wegen der Schonzeit wieder zurücksetzen konnte.

Insbesondere am Angelplatz in Grietherbusch fielen mir die vielen Tiere auf, die ich früher nie wirklich wahrgenommen hatte. Auffällig waren die violettfarbenen Libellen, die im seichten Wasser ihre Eier absetzen. Aber auch einige Amphibien hüpften unbeschwert an mir vorüber, wenn ich unbeweglich in meinem Angelstuhl saß und auf Biss wartete. Ich fragte mich mehrmals, ob ich sie damals nicht gesehen hatte oder, ob sich die Tierwelt tatsächlich hatte so ändern können. Eine Antwort auf diese Frage habe ich mir nicht geben können.

Durch diese Unwissenheit inspiriert habe ich mir dann ein Buch über einheimische Amphibien und Reptilien besorgt. Ich wollte wissen, welche Tiere, die ich in der Natur noch nie gesehen hatte, bei uns beheimatet waren. Nun ist "bei uns" ja recht weitläufig, denn in Norddeutschland gab es bestimmt einen andere Fauna wie in Mittel- oder Süddeutschland.

Recht interessiert war ich daran, dass es doch die einen oder anderen Reptilien bei uns gab. Reptilien sind ja keine Warmblüter, somit mussten sie über die Lufttemperatur oder durch direkte Sonnenbestrahlung ihren Körper aufwärmen. In unseren Breitengraden im Sommer bestimmt möglich, für die Übergangszeiten und den Winter jedoch schon recht beschwerlich.

Das Thema der Reptilien ließ mich nicht los. Amphibien, die eigentlich der Auslöser waren, traten in den Hintergrund. Recht schnell besorgte ich mir mehr Bücher über die Welt der Reptilien und auch im Internet recherchierte ich nach den diversesten Arten und lernte viel über die Klassifizierung und Systematik innerhalb der Tierwelt. Nebenbei habe ich auch vieles von der Evolutionsgeschichte aufgenommen. Dank Wikipedia konnte ich recht schnell eine umfangreiche Datensammlung von Reptilien aufbauen.

In der ersten Zeit hatten es mir die Echsen angetan. Zwergbartagamen waren in meinen Fokus gerückt und ich beschäftigte mich dann in der aufkommenden dunklen Herbstzeit damit, ob ich ggfs. in der Lage und fähig war selber diese Tiere in einem Terrarium zu halten und zu pflegen. Informationen darüber konnte man im Internet mehr als genug finden und einige Bücher zieren mein Bücherregal. Je mehr ich darüber lesen konnte, umso unsicherer wurde ich, ob ich das wirklich würde hinbekommen können. Immerhin waren diese Echsen mit lebenden Insekten zu füttern und am unteren Niederrhein ist die Versorgung nicht wirklich gut ausgeprägt.

Eher zufällig als gewollt stieß ich dann irgendwann auf Schlangen. Schnell suchte ich mir die aus, die als ungefährlich eingestuft werden konnten. Aus dieser Auswahl, die auch mit der Größe der Tiere was zu tun hat, blieben dann Strumpfbandnatter und Kornnatter übrig. Diese Arten waren laut aller Auskünfte für Anfänger durchaus geeignet, obwohl man damit immer sehr vorsichtig sein muss. Tiere eignen sich nie für Anfänger, die nur experimentieren wollen. Aber irgendwann fängt man damit an und dann ist man eben ein Anfänger.

Meine letztliche Entscheidung war, dass ich mir Schlangen zulegen wollte der Gattung Thamnophis. Hierbei handelt es sich um schöne, aus Nord-USA / Süd-Kanada stammende Wassernattern. Es sollte dann auch die Art "radix" sein und am 31.01.2009 konnte ich die Tiere in einem Reptiliengeschäft in Oer-Erkenschwick abholen. Das geräumige Terrarium kaufte ich mir in Rees beim örtlichen Fachhandel für Terraristik. Leider dauerte die Lieferung länger als ich angenommen hatte, jedoch waren die Schlangen in der ersten Zeit in einem Sterilterrarium (60-l-Aquariumbecken) untergebracht.

Bei den Schlangen handelt es sich um Weibchen und Männchen - und leider um Wildfänge. Ich hoffe, dass dieses mein einziger Kauf von Wildfängen war und ich mich künftig daran halte, die in Deutschland vorhandenen Nachzuchten zu erwerben, sofern mir danach ist. Das Beobachten und die Pflege der Tiere macht viel Spaß.

Für mich gab es in diesem begrenzten Kosmos ein Highlight, in dem ich ein Außenterrarium gebaut und die Tiere im Sommer eingesetzt habe. Nun hoffe ich, dass sie die Winterzeit in der Überwinterungsgrube überstehen und im kommenden Frühjahr wieder zum Vorschein kommen. Spätestens im März wird sich zeigen, ob sie noch leben, denn zur Zeit habe ich für eine Kontrolle keine Möglichkeiten.



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