Obsidian - am Rande der Genialität

Obsidian - am Rande der Genialität

Vor einiger Zeit, es muss Sommer 2020 gewesen sein, stieß ich auf der Suche nach einem geeigneten Tool zur Sammlung von Notizen und Codeschnipsel auf Obsidian. Dieses Tool ist als AppImage herunterzuladen und rein theoretisch sofort einsetzbar.

Die Theorie ist die eine Sache, die Praxis die andere. Natürlich war ich mal wieder auf der falschen Seite, also mitten in der Praxis. Das äußerte sich durch den Umstand, dass ich Obsidian nicht starten konnte. Ein Doppelklick auf die Datei bewirkte nichts. Rein gar nichts. Seinerzeit hatte ich keine Nerven für eine aufwendige Recherche und ließ das unstartbare Tool links liegen. Stattdessen hatte ich mich dann mit anderen Dingen beschäftigt bzw. beschäftigen müssen.

Mit den weiteren gefundenen Tools und meinen eigenen Kreationen bin ich nicht so wirklich zufrieden. Alles, was in einer Datenbank liegt, muss auch wieder irgendwie zugänglich gemacht werden. Wer wie ich kein Programmierer ist, der hat es als Hobbyist teils recht schwer. Ich kann ein bisschen PHP. Ich bin somit in der Lage, eine MySQL- oder SQLite3-Datenbank abzufragen. Die Darstellung des Abfrage-Ergebnisses ist dann die nächste Hürde.

Nun stolperte ich gestern über einen Artikel zu Obsidian, den ich vor ein paar Tagen gesehen, aber nicht richtig wahrgenommen hatte. Ich geriet in Pionierlaune, weil ich von der textlichen Beschreibung durchaus angetan war. Dieser Artikel ist hier zu finden: Obsidian - Markdown your Power .

Zunächst galt es, dass ich überhaupt dieses AppImage starten konnte. Da es im Dateimanager nicht klappte, wechselte ich auf die Konsole und versuchte mein Glück, nachdem ich die aktuellste Version (0.11.0) heruntergeladen hatte. Der einfache Aufruf brachte dann folgendes auf den Bildschirm:

user@rechner:~/obsidian$ Obsidian-0.11.0.AppImage
bash: Obsidian-0.11.0.AppImage: Kommando nicht gefunden.

Immerhin eine Reaktion, wenn auch eine nicht so gute. Mittlerweile habe ich einiges gelernt und versuchte mein Glück mit vorangestelltem Punkt und Schrägstrich (./):

user@rechner:~/obsidian$ ./Obsidian-0.11.0.AppImage

[23403:0223/193309.469509:FATAL:setuid_sandbox_host.cc(158)] The SUID sandbox helper binary was found, but is not configured correctly. Rather than run without sandboxing I'm aborting now. You need to make sure that /tmp/.mount_Obsidigd5zhp/chrome-sandbox is owned by root and has mode 4755.
Trace/Breakpoint ausgelöst

Diese verdammte Sandbox, die irgendwas mit Chrome zu tun hat, hat mir schonmal den letzten Nerv geraubt. Aber ich wweiß nicht mehr zu welcher Gelegenheit. Aber es muss ein AppImage gewesen sein. Nach einiger Recherche im Internt zu dieser Fehlermeldung und dem Sandbox-Problem, war die Lösung dann relativ einfach. Man muss die Sandbox einfach nur ausschalten. Selbst die Entwickler von Obsidian sagen, dass das zwar nicht gut ist, aber eine andere Lösung nicht greifbar sei.

Folgender Befehl führte zum Start des AppImages:

user@rechner:~/obsidian$ ./Obsidian-0.11.0.AppImage --no-sandbox
2021-02-23 18:43:40 Loading main app package /tmp/.mount_Obsidi9gNX8R/resources/obsidian.asar
xdg-mime: application argument missing
Try 'xdg-mime --help' for more information.

(obsidian:14708): dbind-WARNING **: 19:43:41.856: Couldn't register with accessibility bus: Did not receive a reply. Possible causes include: the remote application did not send a reply, the message bus security policy blocked the reply, the reply timeout expired, or the network connection was broken.
2021-02-23 18:43:41 Checking for update using Github
2021-02-23 18:43:42 Success.
2021-02-23 18:43:42 Latest version is 0.11.0
2021-02-23 18:43:42 App is up to date.

Beim ersten Start ist es wohl so, dass Obsidian zunächst vorbereitet werden muss. Man hat die Möglchkeit entweder eine neue Vault (schlicht einen Ordner) zu erstellen oder eine bestehende Vault (ein Ordner, in dem schon Dateien liegen) zu öffnen. Hm, was sollte ich tun?

Zunächst entschied ich mich ein bisschen zu recherchieren, um herauszufinden, welche Möglichkeiten überhaupt mit Obsidian umgesetzt werden können und stieß auf einen YouTube-Kanal, der sich mit Obsidian sehr beeindruckend beschäftigt. Der Kanal heißt: Linking Your Thinking

In den Playlists ist ein 6-teiliger Kurs Obsidian for Beginners vorhanden, den ich mir komplett angesehen habe. Es gibt eine weitere 6-teilige Playliste, die interessante Updates zum Inhalt hat.

Der junge Mann, Nick Milo, ist Feuer und Flamme für Obsidian und bringt seine Begeisterung in den Videopclips auch gut rüber.

Es hat mir richtig Spaß gemacht, die Videoclips zu schauen und die vielen Möglichkeiten dieses Tools erklärt zu bekommen. Zwar wird Englisch gesprochen, aber es gibt Untertitel und diese Art von Englisch, wenn es sich um die Computerei handelt, kann ich einigermaßen gut verstehen und nachvollziehen.

Sehr beeindruckend finde ich die grafische Darstellung der Verbindungen und Verlinkungen der einzelnen Notes. Obsidian ist eigentlich nichts anderes als das von mir täglich auf der Arbeit genutzte OneNote von Microsoft, nur eben wesentlich ausgereifter und nutzbarer.

Obsidian zeichnet sich zudem dadurch aus, dass die Text mit MarkDown ausgezeichnet werden und so das Schreiben und Formatieren in einem Rutsch möglich ist. Die Hände bzw. Finger können den größten Teil der Zeit auf der Tastatur bleiben. Mausaktionen zur einfachen Formatierung des Textes bleiben aus.

Es macht keinen Sinn, dass ich hier die Funktionen des Tools lang und breit erkläre, denn die Videoclips auf YouTube bzw. das Video auf dem Dem-Hoergen-Blog sind Erklärung genug. Was ich mir aufgeschrieben habe, sind einige Hotkeys, die durchaus wichtig und notwendig sind. Die will ich am Ende dieses kleinen Artikels noch aufführen.

Ansonsten werde ich ein kleines Projekt auflegen und die Nutzungsmöglichkeiten für mich auskundschaften. Mich reizt es immer, wenn ich SQL-Datenbanken umgehen kann, aber nicht auf eine ausgereifte Suche und Filterung verzichten muss. Beides ist in Obsidian in beeindruckender Weise enthalten.

Obsidian ist kostenfrei herunterzuladen. Das ist immer gut. Was ich noch nicht begriffen habe ist, wie ich das Publizieren meiner Seiten, die als HTML-Seiten generiert werden, bewerkstelligen kann. Das wird in einem Update-Video gezeigt, aber ich habe es nicht verstanden. Hier muss man natürlich irgendwann Geld bezahlen, um den vollen Umfang von Obsidian nutzen zu können. Es macht ggfs. Sinn, meine Webseiten, die ich bislang mit Hugo erstelle, auf Obsidian umzustellen, um nicht mit zwei Tools arbeiten zu müssen.

Mit dem Publizieren kann man nämlich analog zu Hugo, im Grunde genommen eine Webseite erstellen und online stellen. Das reizt mich daran nochmal mehr. Ob ich bereit bin, dafür tatsächlich regelmäßig Geld auszugeben, muss ich dann noch entscheiden.

Hier die Liste der von mir notierten Hotkeys:

  • STRG und Klick auf einen Link öffnet den Link oder erstellt eine neue Note
  • STRG + e => Wechsel zwischen Editor und Vorschau
  • STRG + o => öffnet den Quick Switcher, um andere vorhandene Artikel zu suchen und zu öffnen
  • STRG+Shift+f => suchen
  • STRG+ALT+Pfeil nach links => blättert Seiten zurück (wie im Webbrowser)
  • STRG+ALT+Pfeil nach rechts => blättert Seiten vor (wie im Webbrowser)
  • STRG+n => erstellt eine neue unbetitelte Note
  • STRG und Klick auf eine Note, öffnet die Note in einem neuen Panel/Tag (wie im Webbrowser)

Obsidian ist ein sehr mächtiges Werkzeug und hat als Nebeneffekt die Möglichkeit, die Texte mit MarkDown auszuzeichnen. Für mich ist Obsidian eher eine Art von Wiki, denn vieles erinnert an eine WikiSoftware.

Von meinem kleinen Projekt zu Obsidian werde ich zu gegebener Zeit berichten.

Jopii, am 24.02.2021

Meine Quellen sind: